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Relationale Geldtheorie

Zur aktuellen Diskussion über das Geld

275 pages ·  29.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1369-5 (Oktober 2018 )

Sachregister

 
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Was auch immer von Experten und Laien als Geld definiert und angesehen wird: Es repräsentiert ökonomische Werte. Und nur solange das der Fall ist, wird es von den Akteuren einer Volkswirtschaft als Tausch- und Zahlungsmittel akzeptiert. Der Mechanismus, der die Stabilität der repräsentierten Werte in einem zweistufigen Geldsystem herstellt und garantiert, besteht darin, Zentralbankgeld nur gegen ausreichend hohe Sicherheiten in Umlauf zu setzen. Nicht allein das Drucken schwer kopierbarer Banknoten erzeugt wertstabiles Geld, sondern vor allem der Tausch dieser Noten gegen hochwertige und marktgängige Eigentumstitel. Erstaunlich ist, dass diese triviale Tatsache von den meisten Geldtheorien ignoriert wird.

Nach einer entsprechenden Darstellung der Geldschöpfung setzt sich das Buch sowohl mit prominenten als auch weniger prominenten Geldtheorien auseinander und zeigt, dass sie das moderne Geldsystem nur lückenhaft und verzerrt darstellen. Dagegen kann sich eine relationale Geldtheorie, die Geld als ein verdinglichtes ökonomisches Verhältnis betrachtet, mühelos durchsetzen. Sie liefert außerdem die theoretische Grundlage, um die Gefahr hoher bei der Bundesbank aufgelaufener Targetsalden als ein Scheinproblem zu entlarven.

Die Erläuterung des Unterschiedes zwischen Sparen von Geld und dem, was der Volkswirt darunter versteht, bereitet den Boden, um am Beispiel Griechenlands zu zeigen, dass ein auf die Staatsschuld fokussiertes Hilfsprogramm nicht in der Lage ist, eine Volkswirtschaft aus der Krise zu führen.

Wirtschaft und Gesellschaft. 2020, Heft 1, S. 467-479 ()

Das zweite [neben Auf der Suche nach dem Ökonomischen - Karl Marx zum 200. Geburtstag, hg. von Rainer Lucas, Reinhard Pfriem und Claus Thomasberger] hier zu besprechende Werk, Georg Quaas' monografische Darstellung der "ökonomischen Theorie von Karl Marx", die sich um eine geschlossene mathematische Präsentation und Interpretation bemüht und daher, wie bereits bemerkt, in mancherlei Hinsicht von dem Marx-Sammelband differiert. Die von ihm vorgenommene Fokussierung auf die Arbeitswertlehre - die natürlich bei Marx eine andere Funktion hat als bei Smith und Ricardo, denn er versucht damit, die Kontinuität von Herrschaft und Ausbeutung bei Geltung marktmäßiger Äquivalenz nachzuweisen - begründet sich inhaltlich mit der zentralen Stellung, die sie im ökonomischen Werk von Marx einnimmt, methodisch mit dem Ziel des Verfassers, "eine den modernen Ansprüchen an eine ökonomische Theorie genügende, formal logisch einwandfreie Darstellung der Marx'schen Werttheorie zur Verfügung zu stellen" (S. 12). Wichtig ist sein Hinweis darauf, dass sein Modell "nicht nur aus mathematischen Formeln besteht, sondern stets auch eine sinnvolle ökonomische Interpretation der mathematischen Objekte [...] umfasst" (S. 16). Das erlaubt "sozusagen auf höherer Ebene, eine weitergehende qualitative Interpretation [...], die dann jene Aspekte der Marx'schen Theorie freilegt, die dem über die Ökonomik hinausgehenden Wissenschaftsanspruch des ,Kapital' zuzurechnen sind" (ebd.). Er vertritt den Standpunkt, "dass die wenigen algebraischen Formeln, die Marx selber produzierte, nicht ausreichen, um die quantitativen Strukturen zu erfassen, die in seinem ökonomischen Hauptwerk tatsächlich enthalten sind" (S. 17f). Quantitative Zusammenhänge zu erkennen, führe zu ",zusätzlichen' Einsichten" und sei "eine Voraussetzung für erfolgreiches Handeln in einem marktwirtschaftlichen Umfeld" (S. 17). Er widerspricht damit zugleich "der oberflächlichen Interpretation [...], die mathematische Modellierung des ,Kapital' thematisiere die Werttheorie in einer Weise, ,die sie ihrer Gebundenheit an eine warenproduzierende Gesellschaft entledigt'" (ebd.).

Diese generelle methodische Einstellung des Autors ist nachvollziehbar. Sie entspricht nach meinem Eindruck in etwa der Konklusion von Joan Robinson am Ende ihres Essays über die Marx'sche Ökonomie: "Marx, however imperfectly worked out the details, set himself the task of discovering the law of motion of capitalism, and if there is any hope of progress in economics at all, it must be in using academic methods to solve the problems posed by Marx.”

Während aber Joan Robinson Marx' Wertbetrachtung für das Hauptproblem und die wichtigste Quelle von "obscurity" hält und offensichtlich die Anwendung akademischer Methoden vor allem in der Eliminierung dieser Betrachtungsweise sieht, da jeder wichtige Gedanke ohne sie formuliert werden könnte, besteht die akademische Methode von Georg Quaas gerade umgekehrt in ihrer mathematischen und begrifflichen Präzisierung. Allerdings kommt er dabei zu Ergebnissen, die nicht allzu weit von Joan Robinsons Einschätzungen entfernt sind. Das erfordert nun aber zunächst einmal klare definitorische Festlegungen, die Quaas tatsächlich vornimmt, die sich aber bei Marx so eindeutig nicht finden lassen, vielleicht weil letzterer die Mehrdeutigkeit seiner Termini und die damit einhergehende Interpretationsvielfalt nicht für eine methodische Schwäche, sondern für einen dialektischen Vorteil hielt. Demzufolge besteht Quaas darauf, dass nicht jede "Vergegenständlichung" schon "entfremdete Vergegenständlichung" ist und dass "Verdinglichung" und "Vergegenständlichung" nicht zusammenfallen, auch wenn "die Verdinglichung in einer Gesellschaft u.U. zur Versachlichung und Entfremdung gesellschaftlicher Verhältnisse führen kann" (S. 40f) Dass gesellschaftliche Verhältnisse als oder durch Dinge erscheinen, ist trivial - wie sollten sie sonst erscheinen? -, entscheidend ist vielmehr, "dass die durch sie bedingten gesellschaftlichen Bestimmungen der Dinge als den Dingen innewohnende Eigenschaften oder (Wesens-)Kräfte gesetzt und auf diese Weise den Dingen übernatürliche Kräfte oder Eigenschaften zugeschrieben werden, aus denen dann - in völliger Verkehrung des wahren Zusammenhangs - das Verhältnis dieser Dinge untereinander, zu den Menschen und der Menschen untereinander entspringen soll" (S. 41).

Die dem Buch zugrundeliegende Herangehensweise beruht - im Anschluss an Jindrich Zelený - auf der Hypothese, dass "die nächsthöheren Verallgemeinerungen, von denen die Marx'schen Formulierungen ein Spezialfall sind, [...] allgemeine lineare Modelle" sind. Nach der Klärung der zentralen Begriffe "Gebrauchswert", "Wert" und "Tauschwert" und der mit ihnen zusammenhängenden Termini in den Kapiteln 2 bis 4 geraten sodann der "Preis" und seine unterschiedlichen Ausprägungen bei Marx in den Fokus der Präzisierung. Quaas argumentiert, Marxens Preistheorie sei "eine Theorie der auf dem Markt anerkannten oder geltenden Werte" (S. 153), Preise seien Marktwerte der Güter. Er resümiert: "Betrachtet man die Preistheorie als einen festen Bestandteil der ökonomischen Theorie von Marx und als eine notwendige Ergänzung ihrer werttheoretischen Grundlage, so stellt sich diese dar als eine Theorie geltender Werte. Für die theoretische Interpretation des ,Kapital' kann die Einbeziehung der gesamtgesellschaftlichen Nachfrage in den Preis, der den Marktwert darstellt, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden" (S. 155). Denn das bedeutet in seiner Perspektive nicht, dass den Preisen und damit der Analyse von Ausbeutung ihre werttheoretische Grundlage entzogen wird, sondern vielmehr dass "die Marx'sche Kapitalanalyse [...] auch dann noch Gültigkeit beanspruchen kann, wenn die Preise von den Werten abweichen [...]". Dementsprechend spielt das Problem der Transformation von Werten in Preisen, das im Sammelband vor allem von Bertram Schefold diskutiert wird, bei Quaas so gut wie keine Rolle, und er entwickelt später im 8. Kapitel auch eine Modellierung des Reproduktionsprozesses, die ohne einen von den Preisen verschiedenen Wertevektor auskommt und die Analyse nur mit Größen durchführt, welche bereits in auf dem Markt geltenden Werten gemessen sind (vgl. S. 249).

Der vieldiskutierten Frage von Dienstleistungen als wertbildende Arbeit ist das ganze 7. Kapitel gewidmet, das eine klare Konklusion hat: "Wie immer sich Marx persönlich zur Frage der kategorialen Einordnung der Dienstleistungen positioniert hat - es liegt in der Konsequenz seiner Theorie, diese wegen ihrer Ähnlichkeit zur Lohnarbeit als einen Prozess zu betrachten, in dem sowohl Werte erzeugt als auch übertragen werden" (S. 208). Bei der formalen Analyse von einfacher und erweiterter Produktion wird Marx - ich meine: richtigerweise - aufgrund der feststehenden Mengenverhältnisse eine linear-limitationale Produktionsfunktion unterstellt (vgl. S. 288). Ein realistisches Modell eines nicht nur marktwirtschaftliches, sondern kapitalistisch organisierten Reproduktionsprozesses würde, das konzediert Quaas (vgl. S. 295f), nicht nur eine Preistheorie, sondern auch eine Theorie von Unternehmerentscheidungen auf Basis der Profitabilität der von ihnen betriebenen Prozesse erfordern, in die man entsprechende Aussagen bzw. Hypothesen von Marx zu integrieren hätte. Das aber würde zweifellos eine weit über den Rahmen dieses Buches hinausgehende Fortentwicklung der Marx'schen Theorie bedeuten. Das Buch schließt mit einer informellen (also: nicht formalisierten) Darstellung von systemtheoretischen Elementen im Marx'schen philosophischen Denken und einem intellektuell anregenden Anhang über "Wertausdrücke in der Ilias", die ja eine vorkapitalistische Wirtschaft beschreibt. Da es Marx nicht nur darum ging, "ökonomische und ökonomisch relevante Merkmale von Dingen und Prozessen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu erforschen, um sie dann adäquat darzustellen" (S. 300), sondern auch darum, in der Darstellung seines Objekts - die realen Verhältnisse in der Marktwirtschaft - auch dessen Entstehung und die daraus folgenden Konsequenzen zu erfassen, griff er methodisch auf die Dialektik Hegels zurück, "der ein ähnliches Problem zu lösen hatte" (ebd.), allerdings an einem anderen Objekt, nämlich der "Entwicklung des menschlichen Bewusstseins in der (geschriebenen) Geschichte der Menschheit" (S. 301). Wenn also der Wert als bloße Austauschbarkeit verstanden und damit verkürzt wird, so wird die ökonomische Theorie von Marx "unbotmäßig" (S. 305) reduziert. Der Wert muss, um den Warentausch zu ermöglichen, auch noch im Tauschwert oder im Preis erscheinen (vgl. S. 310). Damit kommt das - von Marx-Interpreten und -Anhängern oft übersehene - Verhältnis von Angebot und Nachfrage ins Spiel, das schließlich zu auf dem Markt geltenden Werten oder Marktwerten führt. Hier hat allerdings die ökonomische Standardtheorie vieles zu sagen, was sich aus Marx' Betrachtungsweise nicht ableiten lässt, aber Quaas zufolge dessen zentrale Einsichten auch nicht grundsätzlich in Frage stellt.

Alles in allem liefert Quaas eine anregende, logisch konsistente, formal ausgearbeitete und philosophisch begründete Rekonstruktion und Analyse von Marx' ökonomischer Theorie, die allerdings bestimmte definitorische Festlegungen erfordert, über deren Berechtigung man sich streiten kann (was ja auch orthodoxe Marxisten des Öfteren tun). Aber wenn wahrscheinlich auch nicht zu diesem Zweck gedacht, stellt diese Monografie doch eine (indirekte) Würdigung von Karl Marx zum 200. Geburtstag dar, deren Wert - wie auch immer definiert - keinesfalls geringer veranschlagt werden sollte als der Wert des Sammelbandes. Beide sind auf ihre Weise "auf der Suche nach dem Ökonomischen". Die Darstellung von Quaas hat das Verdienst, die methodische Anschlussfähigkeit von Marxens "Kritik der Politischen Ökonomie" an die Standards heutiger Wissenschaft ernst zu nehmen und so Ansatzpunkte für eine erneute Beschäftigung mit seinem Werk zu liefern."



Berliner Debatte Initial, 30 (2019), 3, S. 151-152 ()

"Von ganz anderem Zuschnitt ist das Buch des Leipziger Volkswirts Georg Quaas, das sich ausschließlich mit "modernem Geld" beschäftigt und die aktuelle Debatte zur Funktionsweise des Bankensystems in der Gegenwart zum Gegenstand hat. Das Werk ist eine "Streitschrift", welche die Kontrahenten nicht schont. Darüber hinaus wird mit der Publikation das Ziel verfolgt, "ein theoretisch durchdrungenes Bild des modernen, zweistufigen Geldsystems und seiner Vernetzung mit der Realwirtschaft" (5) zu zeichnen. Der Autor sieht sich dabei aber nicht etwa als Alternativökonom, sondern als jemand, der angetreten ist, die Geldtheorie des Mainstreams zu verteidigen und sie gegebenenfalls zu präzisieren oder zu ergänzen. Dies tut er engagiert und qualifiziert. Gleichwohl hält er sich nicht für einen "Geldtheoretiker" und hat für diese Spezies eher Spott als Respekt übrig. Auch bezweifelt er, dass es sich bei der Geldtheorie "tatsächlich um eine Theorie im strengen Sinn" handelt, eher um "fragmentarische Darstellungen wesentlicher Zusammenhänge"(14).

Diese Position bestimmt sein Vorgehen, das einerseits einer "ernsthaften und gründlichen Betrachtung" entspricht, andererseits aber von einer mitunter nur schwer zu ertragenden Polemik durchdrungen ist. Dies betrifft insbesondere die harsche Kritik an Hajo Riese, Gunnar Heinsohn, Otto Steiger, Dirk Ehnts, Klaus Müller, Heiner Ganßmann und Christian Müller. Bei der Bewertung alternativer Auffassungen fehlen dem Autor Toleranz und Verständnis gegenüber anderen Herangehensweisen und Akzentsetzungen. Es gibt bei ihm wie bei ökonometrischen Empirikern keine Grautöne und Ambivalenzen, sondern nur "richtig" oder "falsch". Zudem alle denkbaren Steigerungsformen von "falsch" wie einseitig, verzerrt, doppelt falsch, ganz falsch, unhaltbar, nichtssagend, völlig falsch, sinnlos, absurd usw. Seine Hauptkritik gilt den Vertretern einer "neuen, angeblich modernen Geldtheorie", die "mit dem Anspruch einer tieferen Einsicht die im ökonomischen Mainstream vertretene Geldtheorie verwerfen" (15). Die eigene Position bleibt dabei vorerst unbestimmt und zeigt sich nur indirekt, in der Ablehnung oder Befürwortung anderer Standpunkte. Grundlage ist jedoch die Auffassung des Autors, wonach Geld eine "verdinglichte Relation" (17) sei. Erst am Ende des Buches findet man eine Erklärung dafür (257) und eine Zusammenfassung der eigenen Theorie (259-262).

Die Darstellung beginnt mit einer Analyse des Geldschöpfungsprozesses der Zentralbank. Ausschlaggebend dafür ist die Kreditvergabe an die Geschäftsbanken. Indem dieser Aspekt in den Mittelpunkt gestellt wird, erscheint das Geldverhältnis wesentlich als Kreditbeziehung und Geld daher essentiell als Kreditgeld in Gestalt von Banknoten, Münzen und elektronischen Daten. Diese Position unterscheidet sich grundsätzlich von der marxistisch-orthodoxen Sicht, wie sie Klaus Müller vertritt, aber auch von der Auffassung der modernen Geldtheorie (MMT), welche Dirk Ehnts teilt. Die Verschiedenheit der Standpunkte wird in den folgenden Kapiteln ausführlich diskutiert. Als problematisch erweist sich dabei die Behandlung des "Tauschparadigmas" (37), welches Quaas als grundlegendes Prinzip auffasst, Geldhistoriker aber im Kontext mit der Genesis des Geldes debattieren. Hier zeigt sich die Schwäche einer nur gegenwartsbezogenen Darstellung: Es fehlt die wirtschafts- wie theoriehistorische Dimension. Ähnliches gilt für die Behandlung von Banknoten als "Papiergeld", worin nicht nur ein Zugeständnis an die Umgangssprache, sondern auch eine gewisse Ignoranz gegenüber einer jahrzehntelangen geldtheoretischen Debatte zum Ausdruck kommt. Zentralbankgeld wird schließlich als "qualitativ unspezifizierte Forderung in das Kollateral der Zentralbank" (40) definiert. Aber es ist nicht das einzige Geld. Konsequenterweise wird als nächstes die Geldschöpfung der Geschäftsbanken behandelt, bei welcher ebenfalls Geld entsteht, Buchgeld. Dieses wie auch die folgenden Kapitel lassen sich nur vor dem Hintergrund der gegenwärtig geführten geldtheoretischen Debatten verstehen. Hauptkritikpunkt ist die von Ehnts und anderen in Anlehnung an Schumpeter vertretene Position, dass die Banken ihr Buchgeld über die Vergabe von Krediten "aus Nichts" schöpfen. Quaas interpretiert dieses "Nichts" als "voraussetzungslos", was natürlich nicht zutrifft, und beurteilt die Aussage folglich als "Fehlschluss" (67). Mit etwas Humor und mehr Sinn für Literatur hätte er merken können, dass es sich bei der Geldschöpfung aus dem Nichts um eine biblische Metapher handelt, worin auf die Schöpfung der Welt durch Gott angespielt wird (Gen 1,1-2,4). Im Übrigen geht es den alternativen Geldtheoretikern wie auch der Deutschen Bundesbank, die sich ausführlich dazu geäußert hat, lediglich darum klarzustellen, dass es sich bei der Kreditvergabe der Banken nicht um ein Weiterreichen von Einlagen handelt, sondern stets um die Schaffung zusätzlichen Buchgeldes. Dass dieser Vorgang rechtlich und ökonomisch vielfältig konditioniert ist, versteht sich von selbst. Wahr ist aber auch, dass diese simple Tatsache häufig von Laien nicht verstanden wird. Die Klarstellung dieses Sachverhalts betrifft aber eine andere Ebene und ist nicht Teil des akademischen Diskurses. Da Quaas in seine Kontroverse neben Fachbeiträgen auch Wortmeldungen anonymer Blogger und von Hobbyökonomen einbezieht, verwischen sich bei ihm mitunter die Ebenen. Damit ist die Gefahr verbunden, dass wissenschaftliche Projekte "intellektuell unterlaufen" werden (89). Dies trifft auf die Kritik an Rieses These vom "Geld als knappzuhaltendem Nichts" (87ff.) zu. Selbst wenn Quaas hier in einigen Punkten Recht haben sollte, scheint es doch vermessen, dem angesehenen Ökonomen und Haupt der Berliner Schule des Monetärkeynesianismus vorzuwerfen, dass seiner Preistheorie "die elementarste Eigenschaft jeder wissenschaftlichen Theorie fehlt" (107). Aus dem Text und dem Quellenverzeichnis geht auch nicht hervor, ob Quaas das Hauptwerk von Riese, worin dieser seine Preis- und Geldtheorie begründet, überhaupt kennt. Im weiteren Verlauf der Darstellung verwundert es nicht, dass er der "multiplen Geldschöpfung" und der Behandlung des Multiplikators breiten Raum einräumt. Er legt sich in dieser Frage auch mit der Bundesbank an, indem er ihr vorwirft, "halbe Wahrheiten" zu verbreiten und eine "Irreführung" der Fachwelt zu betreiben (160). Die ganze Wucht der Kritik bekommt jedoch Dirk Ehnts zu spüren: seinem geldtheoretischen Ansatz ist eigens ein Kapitel gewidmet (171-194). Die Kritik an Ehnts' "Turbo-Keynesianismus" (194) ist in der Sache deutlich, im Ton aber, indem jener "kurz und schlicht" als "Unsinn" abgetan wird (173), vernichtend. Ob die Debatte damit beendet ist, wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall wird man aber bei ihrer Weiterführung an vorliegendem Buch nicht vorbekommen."




the author
Doz. Dr. Georg Quaas
Georg Quaas Jahrgang 1951, Hochschullehrer an der Universität Leipzig, u.a. am Institut für empirische Wirtschaftsforschung (2003-2017). Beiratsmitglied der Forschungszeitschrift "Erwägen Wissen Ethik" (1988-2014), Mitglied der Gründungskommission des Instituts für Politikwissenschaft der UL (1991-1992), mehrmals Assoziierter des Correlates of War Projects der University of Michigan, Gründungsvater des Forschungsseminars "Politik und Wirtschaft" (2003) - hier mit den Büchern Booms, Busts und blinde Flecken sowie Bubbles, Schocks und Asymmetrien vertreten. Mehr Infos: www.georg-quaas.de [more titles]
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